Glücksspielreform Österreich – Warum 2027 alles auf dem Spiel steht

Am 30. September 2027 laufen die österreichischen Glücksspiel-Konzessionen aus. Dieses Datum ist kein abstraktes Verwaltungsdetail – es ist der Moment, an dem Österreich entscheiden muss, wie es seinen Glücksspielmarkt für die nächsten Jahrzehnte gestalten will. Monopol oder Multilizenzierung? Bundesregelung oder Länderkompetenz? Spielerschutz durch Verbot oder durch Regulierung? In neun Jahren als Analyst habe ich noch nie eine Phase erlebt, in der so viel gleichzeitig in Bewegung war.
Ladevorgang...
Konzessionsablauf 2027: Was passiert, wenn die Lizenzen enden?
Die aktuellen Konzessionen für Lotterien und Online-Glücksspiel enden am 30. September 2027, die Casino-Lizenzen am 31. Dezember 2027. Maarten Haijer, Generalsekretär der EGBA, hat die Lage klar beschrieben: Die Evidenz aus ganz Europa ist eindeutig und überzeugend – Multilizenzierung funktioniert. Sie bringt Glücksspielaktivitäten in den regulierten Markt, schützt Verbraucher und generiert erhebliche Steuereinnahmen.
Wenn die Konzessionen auslaufen, stehen Österreich drei Wege offen. Erstens: Verlängerung des bestehenden Monopols mit neuer Konzessionsvergabe an einen oder wenige Anbieter. Zweitens: Übergang zu einem Multilizenzierungssystem nach dem Vorbild Dänemarks, Schwedens oder der Niederlande. Drittens: Ein Mischmodell, das bestimmte Bereiche öffnet und andere im Monopol belässt. Die EGBA und der OVWG schätzen, dass Multilizenzierung bis 2030 zusätzlich eine Milliarde Euro an Steuereinnahmen bringen könnte – ein Argument, das in einem Land mit angespanntem Staatshaushalt schwer wiegt.
Multilizenzierung: Chancen und Risiken für EPS-Sportwetten
Maarten Haijer hat es nochmals betont: Da gerade Regierungsverhandlungen laufen, hat Österreich eine goldene Gelegenheit, seinen Ansatz zur Online-Casino-Regulierung zu modernisieren. Die Zeit zum Handeln sei jetzt. Diese Aussage bezieht sich primär auf Online-Casinos, aber die Auswirkungen einer Reform würden den gesamten Glücksspielmarkt betreffen – einschliesslich Sportwetten.
Für Sportwettende hätte eine Multilizenzierung mehrere Auswirkungen. Erstens: Mehr Anbieter mit österreichischer Lizenz. Derzeit operieren viele internationale Buchmacher in einer Grauzone – sie bieten ihre Dienste österreichischen Kunden an, ohne eine österreichische Lizenz zu besitzen. Ein Multilizenzierungssystem würde diesen Anbietern die Möglichkeit geben, eine Lizenz zu erwerben, was die regulierte Marktabdeckung erhöhen würde. Dänemark hat nach der Einführung 2012 seinen regulierten Marktanteil von 72 auf 90 Prozent gesteigert.
Zweitens: Stärkerer Spielerschutz. Eine bundesweite Regulierung könnte einheitliche Standards für Einzahlungslimits, Selbstsperren und Frühwarnsysteme schaffen – statt des aktuellen Bundesländer-Flickenteppichs. Drittens: Potenziell bessere Quoten. Mehr Wettbewerb unter lizenzierten Anbietern drückt die Margen und verbessert die Quoten für Wettende.
Für EPS als Zahlungsmethode wäre eine Multilizenzierung positiv. Mehr lizenzierte Anbieter bedeuten mehr potenzielle EPS-Partner. Regulierte Anbieter setzen auf etablierte, PSD2-konforme Zahlungsmethoden – EPS erfüllt alle diese Anforderungen. Simon Priglinger-Simader, Vizepräsident des OVWG, hat betont, dass die Vorbereitungen für eine Reform 2025 beginnen müssen, wenn der Wechsel rechtzeitig gelingen soll.
Die Risiken einer Multilizenzierung liegen in der Übergangsphase. Ein plötzlicher Markteintritt vieler neuer Anbieter könnte den Wettbewerb um Kunden intensivieren – mit aggressivem Marketing, überzogenen Bonusversprechen und einer Anfangsphase, in der nicht alle Anbieter die regulatorischen Standards sofort erfüllen. Andere Länder haben diese Phase durchlaufen, und die Erfahrung zeigt: Nach einer turbulenten Anfangszeit stabilisiert sich der Markt. In Dänemark hat die Konsolidierungsphase rund drei Jahre gedauert, bevor der regulierte Marktanteil die 90-Prozent-Marke erreichte.
Mögliche Szenarien für den Wettmarkt nach 2027
Ich sehe drei realistische Szenarien, die sich an den Erfahrungen anderer europäischer Länder orientieren.
Szenario eins – Vollständige Multilizenzierung: Österreich öffnet den Markt für alle Glücksspielformen, einschliesslich Online-Casinos und Sportwetten. Jeder Anbieter, der die Lizenzbedingungen erfüllt, erhält eine Lizenz. Dieses Modell hat in Dänemark, Schweden und den Niederlanden zu höheren Steuereinnahmen und besserer Marktabdeckung geführt. Für EPS-Wettende würde das bedeuten: deutlich mehr regulierte Anbieter, größere Auswahl, stärkerer Wettbewerb.
Szenario zwei – Teilreform: Österreich öffnet den Sportwetten-Markt stärker, behält aber das Casino-Monopol bei. Das würde die bestehende Unterscheidung zwischen Sportwetten als Geschicklichkeitsspiel und Casinos als Glücksspiel verstärken. Für Sportwettende würde sich wenig ändern, weil der Sportwetten-Markt bereits jetzt relativ offen ist. Für Casino-Spieler bliebe die aktuelle Einschränkung bestehen.
Szenario drei – Status quo: Die Konzessionen werden verlängert, das Monopol bleibt bestehen. Dieses Szenario würde die bestehenden Probleme – Graumarkt, unzureichender Spielerschutz, entgangene Steuereinnahmen – fortschreiben. Für EPS-Wettende würde sich nichts ändern, aber die Chance auf eine Verbesserung wäre verpasst.
Meine Einschätzung: Szenario zwei ist am wahrscheinlichsten – eine schrittweise Öffnung, die den politischen Kompromiss ermöglicht und gleichzeitig zusätzliche Steuereinnahmen generiert. Der Zeitdruck ist real: Simon Priglinger-Simader hat betont, dass die Vorbereitungen 2025 beginnen müssen, um den Wechsel rechtzeitig vor dem Konzessionsablauf 2027 umzusetzen. Wenn die aktuelle Regierung die Reform nicht angeht, könnte das Fenster sich schließen, und Österreich bleibt auf absehbare Zeit beim Monopolsystem.
Für den EPS-Wettmarkt in Österreich wäre jedes Reform-Szenario besser als der Status quo, weil es Klarheit schafft und den Graumarkt reduziert. Ein grösserer regulierter Markt bedeutet mehr EPS-Transaktionen, mehr Nutzerbindung und eine stärkere Position für Österreichs nationales Zahlungssystem im Sportwetten-Bereich.
Wann laufen die Glücksspiel-Konzessionen in Österreich ab?
Die Konzessionen für Lotterien und Online-Glücksspiel enden am 30. September 2027, die Casino-Lizenzen am 31. Dezember 2027. Bis dahin muss Österreich über die zukünftige Regulierung entscheiden.
Was würde eine Multilizenzierung für EPS-Wettende ändern?
Mehr Anbieter mit österreichischer Lizenz, einheitlicherer Spielerschutz und potenziell bessere Quoten durch stärkeren Wettbewerb. EPS würde als PSD2-konforme Zahlungsmethode bei den neuen lizenzierten Anbietern weiterhin verfügbar sein.
Erstellt von der Redaktion von „eps Wetten“.
